Schon alleine der Name ist irreführend. Die Elfen verfügen über kein organisiertes Staatswesen wie wir es kennen. An erster Stelle steht immer die Sippe oder eben der Verband mit dem man durch die einsamen Weiten der Steppen des Westens zieht oder mit denen man in den Wäldern des Oscandtales wohnt. Anders verhält es sich auch nicht mit den wenigen Städten wie Tirvanhir, Ergadir und Levae. Man lebt dort hauptsächlich weil man etwas schönes erschaffen will und ab und zu die Geselligkeit anderer Elfen liebt, aber niemals funktionieren ihre Städte nach den selben Regeln wie die der Menschen.
Beredol war schon immer ein Ort der Begegnungen. Seit ihrer Gründung waren
hier die drei Völker der Elfen, Zwerge und Menschen vertreten und keine
Zwistigkeit konnte sie jemals völlig trennen. Diese einmalige Mischung
machte die Stadt immer zu etwas besonderem.
Vor Eoc gab es hier nur relativ wenige Menschen, die hier vor allem Handel trieben.
Von hier aus schickten sie ihre Waren entweder in das Dreikönigreich oder
den Quiroc abwärts wo sie auf Hochseeschiffe umgeladen wurden. Erst mit
dem Dirinsfrieden und den Richterfürsten nahm auch ihre Bevölkerung
stetig zu.
Unter Eoc war sie konsequenterweise der Hauptsitz des Verwalters der Provinz,
eines Bogayins der in seiner Blutrünstigkeit seinen Kollegen in nichts
nachstand. Noch heute wird das Stadtbild von den gewaltigen Mauern geprägt,
welche er zu seinem Schutz errichten lies. Er zerstörte viel von der alten
Schönheit der Stadt. Wo einst ein lockere und offene Bauweise vorherrschte,
wie sie die Elfen lieben, herrscht heute oft drangvolle Enge. Er begrenzte die
Stadt auf den zentralen Hügel nördlich des Flusses und verbot eine
weitere Ausdehnung jenseits der Stadtmauern. Dieses Gebot gilt selbst heute
noch, zu groß ist das Schutzbedürfnis der Bewohner, zu tief sitzt
die Angst vor neuen Eroberern.
Seit Kriegsende versuchen nun zwergische Baumeister aus dieser Not eine Tugend
zu machen. Sie erhöhen und verschönern bereits existierende Gebäude
und reisen teilweise zu dicht gedrängte Häuser wieder ab.
Die Stadt gliedert sich in drei etwa gleich große Viertel, die durch die
wichtigsten Straßen getrennt werden. Jedes Viertel ist grob einem der
drei Völker zugeordnet, wobei eine Durchmischung erwünscht und gefördert
wird.
Dort wo sich die drei Hauptstraßen der Stadt befinden liegt der große
Eolaisplatz, das eigentliche Zentrum der Stadt. Hier wird gehandelt und gefeilscht,
Versammlungen und Feste finden in regelmäßigen Abständen statt.
Im Osten liegt die Dirinsfeste. Sie ist ebenfalls ein Erbe aus der Zeit von
Eocs Herrschaft, Dirin hat hier nie gelebt. Wohl aber seine Nachfolger, die
Richterfürsten, die Wächter über den Frieden zwischen Elfen und
Zwergen, residieren hier, oder zumindest ihre Vertreter. Als Eolai im hohen
Alter nach dem Tod seiner Frau dieses Amt aktiv übernahm leitete er große
Umbaumaßnahmen in der Burg ein. Heute ist sie eine durchaus angemessene
Unterkunft, die viel von ihrer furchteinflößenden Ausstrahlung verloren
hat.
Der König von Deorached ist immer zu gleich der Richterfürst von Beredol,
schließlich ist Dirin ein direkter Vorfahre der herrschenden Traymallos.
Da dieser aber unmöglich immer hier sein kann – tatsächlich
war Eolai der letzte König der sich hier sehen lies – liegt das Amt
seit Eolais Tod in den Händen des Elfen Eyu Felayn. Er kannte den König
noch persönlich und kämpfte einst mit ihm in den Befreiungskriegen.
So präsentiert sich Beredol heute als multikulturelle und tolerante Stadt
voller Kontraste, in der die vielen Ereignisse der vorangegangen Jahrhunderte
noch deutlich zu spüren sind.