Das Herrschaftsgebiet von Kunt erstreckt sich vom Fürstentum Riaconné
im Norden bis zum Baralon im Süden. Ein großer strategischer Nachteil
dabei ist jedoch, dass die schmalen Küstenstreifen praktisch ohne ihr Hinterland
unter der Kontrolle von Kunt stehen. Deshalb ist man auch heute nach dem Teilfrieden
noch lange nicht sicher vor dem Feind in Estugal. Es mag ironisch klingen, aber
die Kunter leben fast wieder unter den selben Bedingungen, vor denen sie einst
aus ihrer Welt Merymar geflohen sind. Man haust in kleinen, stark befestigten
Wehrdörfern in immer währender Alarmbereitschaft, oder ist zu der
ständigen Bewegung des Nomadentums zurückgekehrt.
Einzig die Hauptstadt Kunt bietet ein großes Maß an Sicherheit,
was schon allein am auffälligen Grundriss der Stadt liegen mag. Gegründet
wurde die Stadt nämlich nicht von den Kuntern, sondern von einem der Schergen
Eocs. Damals hieß die Stadt Douka und war der Dreh- und Angelpunkt des
Sklavenhandels auf Ryn. Die Stadt war das größte Gefängnis,
das man auf dem Kontinent je gesehen hat. Angelegt wurde sie in zwei von Meerwasser
umspülten Ringen. Im ihrem Zentrum liegt eine runde Insel, auf der früher
der Palast von Eocs Statthalter lag.
Viele tausend Sklaven starben schon beim Bau der Stadt, und allzu viele sollten
in den Kerkern folgen.
Als die Kunter nach dem Krieg eine neue Heimat suchten wählten sie diesen
Ort, da er leicht zu verteidigen war. Mit den einst an diesem Ort stattgefundenen
Gräueltaten hatten sie keine Probleme, der Ort vor dem sie flohen war schlimmer.
Bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges blieb Kunt die Hauptstadt. In ihr tobten
lange Zeit die heftigsten Kämpfe zwischen den Parteien. Koiro von den Ulari
gelang es zumindest an der Küste einen Teilfrieden zwischen mehreren Sippen
auszuhandeln und die Stadt damit wieder zu befrieden.
Heute blüht und gedeiht Kunt erneut. Von hier aus kontrollieren die einheimischen
Händler die Meerenge von Estin, was der Stadt einen bescheidenen Reichtum
beschert hat. Sichtbares Zeichen für den wachsenden Wohlstand ist der Zwillingsleuchtturm
an der Einfahrt in die Hafenringe.
Der Bürgerkrieg hat mittlerweile etwas an Schärfe verloren. Es kommt
noch regelmäßig zu Raubzügen und Überfällen auf beiden
Seiten, doch der anfängliche Hass, mit dem sich die verschiedenen Fraktionen
zu Beginn ins Jenseits befördert hatten, der ist mittlerweile verflogen.
Die Bevölkerung dieses Landstrichs besteht nur aus Kuntern. Alle anderen
Bewohner flohen vor diesem grausamen Krieg. Dafür kamen nach dem Teilfrieden
viele Flüchtlinge aus dem Hinterland, so dass heute sechs von zehn Kuntern
diesen schmalen Landstreifen als ihre Heimat ansehen.
Die vorherrschende Religion ist die abgewandelte Form des Dilaharismus, wie
ihn die Zwillinge Mizilmak und Mizilkar verkündeten. Zudem hat der alte
Glaube an Malig/Horait, wie er vor dem Krieg üblich war, noch einige Anhänger.
Mit dem Grab der beiden Religionsgründer Mizilmak und Mizilkar ist die
Stadt Kunt auch das religiöse Zentrum dieses Volkes.