Der Chevalorn ist das pulsierende Herz dieser Provinz. Seine Ufer sahen Städte
kommen und gehen, nur wenige sind geblieben. Die schönste war immer Bograkath,
einst größte und mächtigste Stadt auf Ryn. Eocs Hass richtete
sich gegen sie mehr als gegen jede andere, die er unter seine Knute zwang. So
befahl er sie bis auf den letzten Stein zu schleifen und tränkte den Boden
mit dem Blut ihrer Bewohner. Die Leichen ließ er an Ort und Stelle verrotten.
Jahre später wuchs an dieser Stelle der Gebeinwald. Ein gefährlicher,
unheimlicher Ort. Oft haben die Hanexens, die neuen Herren von Erien, versucht
ihn zu roden, bisher erfolglos.
Vor wenigen Jahren entdeckte man, dass nicht jedes Gebäude Bograkaths zerstört
wurde. Tief im Wald steht der ehemalige Palast der Könige. Es wird erzählt,
der damalige mächtige Hofmagier hätte sich hier mit einigen Gefährten
zurückgezogen und diesen Ort bis zum letzten Atemzug verteidigt. Es muss
furchtbar für sie gewesen sein tatenlos dem Untergang ihrer Stadt zusehen
zu müssen.
Einzig auf der ehemaligen Altstadtinsel Bograkaths konnten die Menschen eine
neue Siedlung gründen. Wie schon Revella errichtete man die Stadt auf einem
schachbrettartigen Grundriss. Der Hauptplatz ist nach dem berühmtesten
eriener König benannt, nämlich Irdan, der einst das Land von den Ogern
befreien konnte.
Die Fürsten stammen aus der Händlerdynastie der Hanexens, die dieses
Land auf vielerlei, oft fragwürdige Weise an sich brachten und schließlich
Deorached unterordneten.
Lange lagen sie dabei im Clinch mit dem nahen Riaconné. Diese Ansiedlung
entstand im Schatten einer alten eriener Burg, bei der sich Flüchtlinge
des Krieges gegen Eoc niedergelassen hatten. Für kurze Zeit schien es,
als würde Riaconné das Erbe Eriens antreten, doch siegte die Dreistigkeit
der Hanexens. So schloss man sich kurzerhand ebenfalls Deorached an, um nicht
noch mehr Land an die Fürsten zu verlieren.
Der Chevalorn ist bis zur Eriener Pforte schiffbar und dient noch heute als
wichtigster Verkehrsweg in dieser Region. An den Halec Wasserfällen schließlich
steht die dritte große Stadt dieser Region: Cernham. Auch sie ist noch
eine alte eriener Gründung. Hier werden seit Menschengedenken Waren aus
den nahen Zwergenreichen im Hadoloc und von den Tugrern in den Steppen auf Schiffe
umgeladen und nach Bograkath verfrachtet. Das Tal des Flusses ist zudem sehr
fruchtbar, selbst Wein wächst noch in der cernhamer Region.
Zu der Provinz Riaconné gehört auch das Ragilotgebirge. Man kann
darüber streiten, ob dies ein Grund zur Freude ist, denn weder gibt es
dort Bodenschätze, noch lässt sich diese Region wirklich besiedeln.
Es hat fast den Anschein, als würde sich das Gebirge regelrecht weigern
von Menschen in Besitz genommen zu werden. Obwohl es nicht besonders hoch ist
und nur wenig Fläche bedeckt, gibt es erstaunlich tiefe Schluchten mit
reißenden Bächen. Die Wälder sind praktisch unpassierbar und
kein von Menschen angelegter Weg bleibt länger als ein paar Wochen bestehen.
Ein buntes Völkergemisch aus Tugrern, Erienern, Varsen, Zwergen und Enkalanoern,
dem Seefahrervolk des Nord- und des äußeren Meeres, lebt in diesen
beiden Provinzen. In Eintracht arbeitet man an alter Größe, jeder
auf seine Weise. Nur gelegentliche Überfälle aus Estugal trüben
bisweilen das Leben.
Ähnlich wie im übrigen Deorached verhält es sich hier mit der
Religion. Bis auf wenige Gruppen hält man sich an den Siebenerritus aus
Revella. Zu den unrühmlichen Ausnahmen gehört die in dieser Region
verbreitete Téulsekte. Téul war eine Hexe, die auf der Seite von
Eoc kämpfte. Sie wird für die Seuche, die der Ankunft ihres Herren
vorausging verantwortlich gemacht. Heute vermischt sich in dieser Sekte der
Glauben an die göttliche Macht der Hexe mit Elementen aus dem Orkpantheon.
Namentlich Rakschaschtuna, die Mutter allen Blutes, scheint auf Téul
abgefärbt zu haben.